Maria Montessori (1870 - 1952)
Quelle: Sigurd Hebenstreit,
Maria Montessori - Eine Einführung in ihr Leben und Werk,
Verlag Herder Freiburg im Breisgau, 1999
Ausbildung und Studium
Es bleibt bis heute ungeklärt, wie es Maria Montessori gelungen ist, als erste Frau in Italien Medizin zu studieren. Es kursieren viele Gerüchte und Andekdoten. Beispielsweise soll der Papst selbst zu ihren Gunsten interveniert haben - mit der Begründung, dass die Ausübung der helfenden, ärztlichen Tätigkeit gut zu der natürlichen Bestimmung der Frau passe.
Maria Montessori ist eine eifrige, erfolgreiche Studentin. Sie gewinnt als Preise angesehene Stipendien, eine Tatsache, die die männlichen Rivalitätsängste ihrer Kommilitonen nicht reduziert haben wird. Nach Erlangung der Promotion als erste Ärztin in Italien, gewinnt sie eine Stelle als Assistenzärztin. Ihre Ausbildung zur Ärztin schliesst sie mit 26 Jahren ab.
Zunächst wird sie als junge Ärztin zur italienischen Delegierten für einen internationalen Frauenkongreß in Berlin gewählt. Zwei Jahre später wird ihr diese Ehre für den Frauenkongreß in London erneut zu teil. Die internationale Presse begleitet ihre Auftritte mit Aufmerksamkeit und Wohlwollen. Insbesondere in London nimmt sie an einem Empfang der englischen Königin Victoria teil. Hier zeichnet sich bereits ab, dass Maria Montessori Zeit ihres Lebens versucht, politisch Mächtige auf sich und ihre Ideen aufmerksam zu machen. Der Papst gewährt ihr eine Privataudienz, in den USA empfängt sie der Präsident der Vereinigten Staaten, in Indien Gandhi, im faschistischen Italien Mussolini u.a.m..
Ihr öffentliches Engagement gilt dem Kampf für die Frauen und der sozialen Gerechtigkeit. Darin ist die Auseinandersetzung um bessere Erziehungsbedingungen für die Kinder und gegen die unverändert vorhandene Kinderarbeit eingebunden. Neben öffentlichen Auftritten arbeitet sie als Assistenzärztin an der psychatrischen Universitätsklinik und betreibt eine private Arztpraxis.
Im Zusammenhang mit ihrer Kliniktätigkeit trifft sie auf geistig behinderte Kinder, die gemeinsam mit psychotischen Erwachsenen in einer Anstalt wie in einem Gefängnis untergebracht sind. Durch Studien vorhandener Literatur zum Thema geistige Behinderung bei Kindern, wird sie auf die Ärzte Itard und Séguin aufmerksam, benutzt bei ihren praktischen Versuchen Sinnesmaterial, das Séguin geschaffen hat, und entwickelt es weiter zu dem heutig bekannten Montessori-Material. Zudem kommt sie zu der "Eingebung, dass das Problem der geistige Zurückgebliebenen eher überwiegend ein pädagogisches als überwiegend ein medizinisches" ist.
Literaturtipps
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